„Schön, dass die Welt hier Zuhause ist“

Gesprächsabend zur Lebenswelt junger Menschen in Lateinamerika

Im Café Meinwerk der Kolpingjugend St. Hedwig in Bielefeld warten etwa  40 Zuhörer*innen auf die Erzählungen zur Aktionsarbeit von Adveniat und  dem Kolpingwerk für und mit jungen Menschen in Lateinamerika. Als Aktionsgäste der Weihnachtsaktion 2018 „Chancen geben - Jugend will Verantwortung“ sind Regina Leão und Suanny Martins aus Brasilien vor Ort. Aus der Weltfamilie Kolping sind Rufino Rodríguez aus Honduras und Ana Silvia Almonte Tejeda aus der Dominikanischen Republik zu Gast, um über das Leben junger Menschen in ihrer Heimat zu berichten.

Regina Leão setzt sich für die Rechte Schwarzer Jugendliche ein, die Diskriminierung und Gewalt erfahren haben. Sie arbeitet in Rio de Janeiro für ein Zentrum, das Jugendlichen Freizeitangebote und Bildung ermöglicht. Auch Suanny Martins arbeitet in einem Zentrum zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Rio. Denn Jugend bedeutet in Brasilien vor allem eines: Überlebenskampf. 50 % Prozent der Bevölkerung sind junge Menschen. Hunger, sexualisierte Gewalt sowie Konflikte der Polizei mit Drogenhändlern bestimmen den Alltag. In einer Präsentation berichten beide Sozialarbeiterinnen von den Projekten für  junge Menschen, die auf der Straße leben. Es wird beispielsweise darauf geachtet, dass die Jugendlichen zur Schule gehen und einen Beruf erlernen. „Darüber hinaus ist das Tanzen mit seiner heilenden und emanzipatorischen Wirkung für viele Jugendliche ein wichtiges  Medium, um sich auszudrücken“, sagt Suanny Martins. Von der Regierung erhalten sie für ihre Arbeit jedoch keine Unterstützung.

Psychologiestudentin Ana Silvia Almonte Tejeda aus der Dominikanischen Republik ist als Süd-Nord-Freiwillige des weltwärts-Programms in Deutschland und arbeitet in einer Einrichtung des Kolping-Bildungswerks Paderborn, dem Mehrgenerationshaus in Borchen. Sie sagt: „Die größte Stärke der Jugend in ihrer Heimat ist ihr jugendliches Alter.  Die Jugendlichen  besitzen eine Leichtigkeit, sind gerne aktiv und lieben es zu feiern. In dem Maße, in dem es jene gibt, die kriminell werden oder in Abhängigkeiten verfallen, gibt es ebenso viele junge Menschen, die vorankommen wollen.“ Unterstützung erhalten sie dafür überwiegend von der Kirche und dem Kolpingwerk. Ana betont zudem die Wichtigkeit von Möglichkeiten zum kulturellen Austausch. Der Perspektivwechsel ermöglicht es, Stärken auch im eigenen Land zu sehen. Zudem könne sie schon jetzt, nach zwei Monaten ihres einjährigen Aufenthalts, viele positive Aspekte mit in ihre Heimat zurücknehmen. Dazu gehöre Jugendliche über ihre Rechte am eigenen Körper aufzuklären aber auch Möglichkeiten des Fundraising zu übernehmen.

Rufino Rodriguez, Nationalsekretär des Kolpingwerks Honduras, spricht sich ebenfalls für die weltweite Begegnungen junger Menschen aus. Aus den eigenen Erfahrungen mit Freiwilligen in Honduras berichtet er „Es ist eine Bereicherung junge Menschen aus anderen Ländern bei uns zu haben. Die Ideen und das Wissen, dass sie mit uns teilen, können für uns nur von Nutzen sein. Im Gegensatz dazu lernen die Freiwilligen unsere Art zu leben und zu arbeiten kennen.“ Über die Arbeit mit jungen Menschen im Nationalbüro in Danlí berichtet er, dass er die Energie seiner jungen Mitarbeiter*Innen ansteckend findet. „Ständig haben sie Dinge auf dem Schirm, bringen neue Ideen ein und sind dennoch nie zufrieden. Sie gehen auf die Straße, weil ihnen der Zugang zu Bildung fehlt, verbreiten als Delegados das Wort Gottes oder setzen sich gegen die im Land vorherrschende Korruption ein. Nicht selten verlieren sie dabei ihr Leben“, sagt Rufino und erhebt sich aus Respekt vor ihnen. „Sie geben ihr Leben, damit andere besser leben können.“ Er plädiert dafür, dass Jugendlichen viel öfter wichtige Aufgaben und Verantwortung übertragen wird. Abgerundet werden die vielen Eindrücke aus der Lebenswelt junger Menschen in Lateinamerika durch das Lied „Juntos como hermanos“, das Rufino auf der Gitarre anstimmt und gemeinsam mit dem Publikum singt.   

Das Café Meinwerk in Bielefeld öffnet seine Türen jeden Freitagabend für Jugendliche,  junge Erwachsene sowie alle Junggebliebenen. Für die herzliche Aufnahme in die Räumlichkeiten danken wir Norbert Lauterbach, Robert Kreismann sowie Gemeindereferent Michael Niedenführ.